//Premiere: 1. Deutsche Fortbildung der DEGRO Akademie zum Thema „Robotergestützte Strahlenchirurgie“

Premiere: 1. Deutsche Fortbildung der DEGRO Akademie zum Thema „Robotergestützte Strahlenchirurgie“

Lübeck, den 07.05.2012: Am 4. Und 5. Mai 2012 haben Prof. Jürgen Dunst (UKSH Lübeck und Präsident der DEGRO) und Prof. Guido Hildebrandt (UK Rostock und medizinischer Leiter CyberKnife Norddeutschland) zusammen mit dem Wissenschaftlichen Beirat des CyberKnife Norddeutschland und den anderen deutschen CyberKnife Zentren zu einer großen Fortbildung der DEGRO Akademie geladen. Im Atlantic Hotel in der Hansestadt Lübeck trafen sich über 100 Ärzte, Physiker, MTRAs und Wissenschaftler zur ersten großen deutschen Fortbildung zum Thema CyberKnife und vor allem Radiochirurgie.

Die Themen umfassen in den ersten beiden Sessions die Technik des Systems, präsentiert u.A. von Prof. Achim Schweikard (Universität zu Lübeck und erster CyberKnife Ingenieur) und die Vorteile des CyberKnifes, sowie die potentiellen Weiterentwicklungen in der Radiochirurgie. Besonders hervorgehoben wurde die hohe Präzision des CyberKnife, z.B. für Wirbelsäulen Behandlungen (<< 1mm bei über 260 Behandlungen im CyberKnife Zentrum München) und bei Lebertumoren (< 2mm bei stark bewegten Zielen > 3cm im CyberKnife Zentrum Güstrow). Die Live Demonstration über das markerlose Lungentracking aus Güstrow war ein voller Erfolg und zeigte dem Publikum, das eine sichere, präzise und vor allem eine schnelle Behandlung mit dem CyberKnife mit gut geschultem Personal ohne Probleme möglich ist. Neue Entwicklungen aus der Robotik umfassten die verbesserte Prädiktion der Atmung und vor allem das markerlose Tracking mittels UltraSchall in der Leber, welches in Güstrow getestet werden soll.

In der dritten und vierten Session wurden dann Neurochirurgische Indikationen und Interdisziplinäre Zusammenarbeiten besprochen. Präsentationen von Prof. Volker Tronnier (UKSH Lübeck) und Prof. Martin Kocher (UK Köln), die über zerebrale Indikationen, Hirnmetastasen und Trigeminus Neuralgie berichteten, und von Dr. Markus Kufeld (Charite Berlin), der die Ergebnisse von spinalen Behandlungen vorstellte, überzeugten das Publikum. Der Tenor war, dass die Radiochirurgie die Operation bei ausgewählten Indikationen gleichwertig, jedoch mit weniger Nebenwirkungen ersetzen kann. Interdisziplinär zeigte Prof. Rudolf Guthoff (Universitäre Augenklinik Rostock) in einem vorgezogenen Vortrag am Vormittag bereits die guten Ergebnisse der Behandlung von Aderhautmelanomen. Frau Prof. Simone Marnitz (Charite Berlin) präsentierte neue Studien zum Cervix-Karzinom und zur Teilbrustbestrahlung bei Brustkrebs, welche zum Teil in Berlin und zum Teil in den USA laufen. Weiter präsentiere Privatdozent Philipp Hildebrand (Chirurgie UKSH Lübeck) und Privatdozent Nicolaus Andratschke (Strahlentherapie UK Rostock) über die vielversprechenden Zusammenarbeiten für Leber- und Bauchspeicheldrüsen-Tumore. Als Vision für 2020 wurde die Behandlung von Vorhofflimmern mittels Radiochirurgie von Dr. Bode (UKSH Lübeck) präsentiert.

Den Abschluss des ersten Tages bildeten vielen Diskussionen bis spät in die Nacht beim gemeinsamen Abendessen in der altehrwürdigen Lachswehr in Lübeck. Am zweiten Tag begannen die Präsentationen mit Kooperationsstrukturen und ersten Ergebnissen in Güstrow, Soest und Berlin, sowie aktiven klinischen Studien des Herstellers. Die interessanteste Studie ist der Vergleich zwischen Operation und Radiochirurgie bei operablen Lungentumoren, jedoch ist diese derzeit nur in den USA zugänglich. Eine internationale Studie zur Behandlung von Lebermetastasen soll als bald als möglich auch in Güstrow als bislang einziges deutsches Zentrum verfügbar sein. Als Gast kam Prof. Svend Engelholm aus Kopenhagen nach Lübeck und präsentierte die neusten Arbeiten aus dem Nachbarstaat. Die Strahlentherapie in Kopenhagen gilt als eine der größten Europas. Enge Kooperation sollen mit den Norduniversitäten geschlossen werden, um gemeinsam in Europa die Radiochirurgie weiter zu entwickeln. Prof. Volker Budach (Charite Berlin) stelle abschließend in der ersten Session am zweiten Tag mögliche und notwendige Kooperationen für die Radiochirurgie in Deutschland vor. Gemeinschaftlich sollen die Indikationen in der Radiochirurgie erweitert und evaluiert werden.

In der letzten Session des Kurses wurden extrakranielle Behandlungen präsentiert. Frau Prof. Cordula Petersen (UKE Hamburg) stelle zunächst die strahlenbiologischen Grundlagen dar und warnte vor einem „Hype“ der Radiochirurgie durch neue Technologien. Alle Beteiligten waren sich einig, dass eine gewissenhafte Behandlung und zurückhaltende Indikationsstellung notwendig ist, um potentiell große Langzeitnebenwirkungen vor allem für Prostata-Tumore besser abschätzen und vermeiden zu können. Die erfreulichsten Nachrichten gab es jedoch für Lungen- und Lebertumore. Privatdozent Nicolaus Andratschke präsentiere die vielversprechenden Ergebnisse der Radiochirurgie für Lebertumore zum Teil aus seinen eigenen Erfahrungen an der TU München und in Rostock/Güstrow. Privatdozent Matthias Guckenberger aus Würzburg präsentierte eindrucksvoll die wirklich hervorragenden Ergebnisse für inoperable primäre Lungentumore. Mit mehr als 90% lokaler Kontrollraten bei 5 Jahren ist die Radiochirurgie der konventionellen Strahlentherapie deutlich überlegen (60% lokale Kontrolle) und liefert bei einem schwierigen und risikoreichen Patientengut vergleiche Ergebnisse zur Operation bei deutlichen besserem Patientenkollektiv. Zum Abschluss debattierten Prof. Volker Budach (Charite Berlin) und Privatdozent Razvan Galalae (Gelsenkirchen, früher UKSH Kiel) über die Hypofraktionierung bei Prostatatumoren und stellten fest, dass es immer kürzere Behandlungszeiten für die Prostata geben wird, aber die Technik der Wahl (Protonen, Linearbeschleuniger, Brachy-Therapie, CyberKnife, uvm.) noch völlig offen ist.

„Wir denken, dies war eine richtungsweisende Fortbildung, die die Radiochirurgie, obwohl sie schon seit 60 Jahren eingesetzt wird, in Deutschland stark verändern wird“, berichten Prof. Jürgen Dunst und Prof. Guido Hildebrandt. „Wir freuen uns über die große Teilnahme an dieser Fortbildung und die gute Stimmung in Deutschland bezüglich der Radiochirurgie“, so die Veranstalter weiter. Organisator Oliver Blanck war hoch zufrieden: „Die Resonanz war hervorragend, nur 5% der angemeldeten Teilnehmer sind nicht gekommen, dafür aber 5% unangemeldet.“ Der Kurs wurde durchschnittlich mit der Note 1.3 bewertet und Bestnoten gab es für Auswahl, Zusammenstellung und Aktualität der Themen, sowie großes Lob für die Bewirtung im Hotel und im Restaurant beim Abendessen, auch von einigen Großstädtern mit gehobenen Ansprüchen. „Das es am Ende einer Fortbildung noch einmal ein Büffet gab, kommt selten vor“, so einer der Teilnehmer. „Der Kurs sollte wiederholt werden“ waren die abschließenden Gedanken vieler Teilnehmer.

2016-06-10T18:01:50+00:00